Wann ist das Auswandern abgeschlossen?

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Auswandern und abschliessen die richtigen Worte sind für einen Umzug. Schliesslich liegt der Unterschied nur in der Distanz. Auch wenn alle Gegenstände ihren Platz gefunden haben und ich nichts mehr in der Schweiz erledigen muss, werde ich trotzdem noch durch das Leben wandern und immer wieder zurückkommen.

Fast wie auf einem Karussell: Es kommt immer wieder zum Ausgangspunkt zurück.

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Wann ist Auswandern abgeschlossen?


Zurück an Orte, die eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit in mir hervorrufen.
Abgeschlossen klingt für mich nicht nach das, was das Leben ist: Ein Weg voller Erlebnisse, Erinnerungen und Neues zu lernen und entdecken.
Momentan stehe ich jedoch noch mitten im Prozess. Ich habe noch Gegenstände, die ich nach Japan mitnehmen, verkaufen oder entsorgen möchte. In Japan bin ich bereits angemeldet. Ich musste jedoch Visum bedingt für kurze Zeit in die Schweiz zurück.


Es ist ein Prozess. In einem Land zu leben, in dem man nicht geboren wurde, benötigt es mehr. Mehr Dokumente, mehr Durchhaltevermögen, mehr Geduld und vor allem mehr Verständnis und Menschlichkeit. Ohne die letzten beiden Qualitäten ist das Einleben in eine neue Kultur schwierig.

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japanischer Garten in Genf, Schweiz


Deshalb ist stetiges Lernen und Offenheit lebensnotwendig. Es bedeutet, sich neuen Eindrücken zu öffnen und sie weder hoch zu preisen, noch in den Abgrund zu werfen, die Werte und Denkweisen des neuen Kulturkreises kennen zu lernen und Vorurteile in den Hintergrund zu stellen.


Erinnerungen und Erlebnisse der Vergangenheit lassen mich in manchen Situationen vorsichtig sein. Vorsicht ist jedoch oft nicht notwendig, da die Menschen hier anders reagieren. Jeder weiss, dass ich nicht hier aufgewachsen bin und deshalb ist fast jede Begegnung positiv. Sie erwarten nicht, dass ich gleich alles weiss und Verurteilen mich nicht für Kleinigkeiten.

Sojamilch, Japan
Sojamilch aus Japan Geschmack von links nach rechts: Kastanie, Kirschblüte, Banane, Frucht-Mix, Schoko-Minze


An einen neuen Ort zu ziehen, ist aufregend, spannend und manchmal einwenig überfordernd. Nicht nur die Menschen sind anders, es sind auch andere Gerüche, Geschmäcke und Farben. Vieles, was ich das erste Mal wahrnehme, muss ich zuerst verarbeiten. Nicht immer, weiss ich, wie ich auf komplett Neues reagieren soll.

  • Mag ich diesen unbekannten, neuen Geschmack von Natto?
  • Wie lässt es ich in diesem schlanken, kleinen Haus leben?
  • Weshalb sieht dieses Gemüse, dass mir bekannt ist, doch so fremd aus?


Keine Bange, nach einigen Wochen legt sich die erste Überforderung. Manche nennen es auch Kulturschock. Ich habe zwei Monate mit meinem Geist gekämpft und wusste nicht, ob ich jemals ruhig schlafen konnte. Fast jede Nach hatte ich wilde Träume, bis ich zu erschöpft war um zu träumen.


Nach einem weiteren Monat war ich bereits so ausgeruht, dass ich angefangen habe, das Leben um mich herum zu geniessen und in mich aufzusaugen.
Ich beginne den neuen Ort als meine Heimat anzusehen und fühle, wie mein kreativer Geist seine Fühler ausstreckt. Ein lang unterdrückter Teil meiner Persönlichkeit kommt wieder zum Vorschein und lässt mich nicht nur aufatmen, sondern tief durchatmen und versprüht eine Ruhe, die ich richtig vermisst habe.


Diese Ruhe ist ein Zeichen für mich, dass ich den ersten Schritt um mich einzuleben erreicht habe. Ich weiss nur aus Erzählungen von anderen wandernden Seelen, was für Phasen sie durchlebt haben. Werde ich dasselbe erleben?




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Tiya

Ich bin Patricia, schreibe Bücher, zeichne viel und interessiere mich intensiv für die kulturellen Unterschiede zwischen der Schweiz und Japan.

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