Letzter Tag in der Schweiz

Bye Bye Schweiz

Der letzte Tag in der Schweiz war der 3. November 2017, aber tun wir mal so als wäre er heute.

Pünktlich um acht bin ich aufgestanden um ein 10kg schweres Paket nach Japan zusenden. Geschlafen hatte ich heute Nacht ausnahmsweise gut. Trotzdem zittern meine Hände und meine Augen. Das Herz pumpt mit voller Kraft, sodass mein ganzer Körper zu pochen scheint. Mit dieser Nervosität und Vorfreude auf das ungeahnte Abenteuer gehe ich zur Post.

„Guten Morgen, wo soll es denn hingehen? Oh, Japan! Haben Sie die Zollpapiere?“

Kurz und knapp werde ich vom Herrn begrüsst und gleich zurechtgewiesen, da ich die Papiere nicht mitgenommen habe.

„Nein, die habe ich leider nicht. Ich kann sie nicht ausdrucken. Ich wandere heute aus und habe deshalb keinen Drucker mehr. Wir können sie zusammen ausfüllen.“

Grosse überraschte Augen schauen mich an. Innerhalb von Sekunden wandelt sich sein Gesichtsausdruck in ein neugieriges freundliches Lächeln und so kommen wir ins Gespräch.

„Machen Sie einen Sprachaufenthalt? Wie lange bleiben Sie? Ich habe auch einmal im Ausland gelebt.“

Ich erkläre ihm, dass ich voraussichtlich ein bis zwei Jahre bleibe. Danach werde ich mit meinem Partner in die Schweiz zurückkehren und studieren.

„Ah, deshalb senden Sie Kleidung im Voraus!“

„Wo haben Sie gelebt? Haben Sie ihre Frau dort kennengelernt?“

„Meinen Partner. Ich lebte sieben Jahre in der USA. Mit meinem Partner war ich nur ein Jahr zusammen, aber ich blieb danach in der USA. Erst nach sieben Jahren hatte ich genug und kehrte in die Schweiz zurück.“

Endlich haben wir die Zollpapiere ausgefüllt. Wir wünschen uns alles Gute für die Zukunft und ich mache mich wortwörtlich erleichtert auf den Weg zur Wohnung.

Schweiz auswandern

Glücklicherweise wird die Wohnung renoviert, weshalb ich in den letzten Tagen nur das Nötigste putzen musste.

Du fragst dich, was ich mit all meinen persönlichen Sachen mache? Ich habe den grössten Teil bei meinen Eltern lagern können. Allerdings habe ich auch etwa 80% der Kleidung gespendet oder entsorgen müssen. Das Meiste kann in Japan günstiger neu gekauft werden.

Nun stehe ich in meiner beinahe leeren Wohnung und öffne noch einmal beide Koffer um unnötigen Ballast loszuwerden. Ja, ja, ich weiss…ich könnte noch viel mehr in der Schweiz zurück lassen: Kartenspiele, Zeichnungsmaterial, mein Lieblingstee.

Geschmack, Erinnerungen und Gewohnheiten werden in das neue Land mitgenommen. Wenigstens ein Teil davon werde ich mitnehmen, damit mir die Eingewöhnung leichter fällt. „Ein sanfter Übergang.“

Vergesst bitte nicht: Japan ist ebenfalls ein Industrieland. Barilla, Nivea, Kleenex, diverse Nestlé Produkte gibt es auch hier.

Kaldi verkauft sogar Rösti, Raclette und andere bekannte Produkte aus vielen Ländern.

Ungeduldig schaue ich regelmässig auf die Uhr. Ich wiege beide Koffer ein zweites Mal und bin immer noch über 30kg. Ein Blick auf den Fahrplan verrät mir, dass ich in acht Minuten an der Bushaltestelle sein muss, wenn ich den Flug nicht verpassen möchte. Schnell werfe ich mir den Mantel über und greife nach beiden Koffer. Das Gewicht reisst an meinen Schultern, also trage ich sie einzeln hinunter.

Der Moment wenn du begreiffst, dass du gerade mehr als die Hälfte deines Körpergewichts im Schlepptau hast.

uuuund ich bin, wie erwartet, der letzte Passagier, der sein Gepäck aufgibt.

„Fliegen Sie nach Dubai? Sie sind kurz davor den Flug zu verpassen.“

 

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Tiya

Ich bin Patricia, schreibe Bücher, zeichne viel und interessiere mich intensiv für die kulturellen Unterschiede zwischen der Schweiz und Japan.

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