Job trotz wenig Japanisch?

Wie geht das?

Eigendlich kann ich es immer noch kaum fassen, dass ich trotz wenig japanisch Kenntnisse eine Teilzeitstelle gefunden habe, nach nur einem Vorstellungsgespräch!

Wie habe ich das geschafft?

Ehrlich gesagt, habe ich auf sehr einfache, aber bei einem Vorstellungsgespräch doch wichtige, Details geschaut: freundlich lächeln, auch wenn ich etwas nicht verstehe, und ehrlich geantwortet.

Denn der erste Eindruck beginnt mit einer positiven Ausstrahlung und damit zu zeigen, dass man zuhört.

Barbecue Restaurant

Wie habe ich mich vorbereitet?

Dieser Teil ist etwas anders als ich es mir gewohnt bin. Ich musste alle möglichen Fragen und Antworten auf Deutsch als auch auf Japanisch aufschreiben. Das Notizbuch habe ich einfach zum Vorstellungsgespräch mitgenommen. Da sich hier in Japan, laut meinem Mann, kaum jemand detailliert auf das Gespräch vorbereitet, unterstreichen die wenigen japanischen Sätze im Notizbuch mein Interesse am Nebenjob.

Die Unsicherheit liess meine Zweifel brodeln

Ja, ich war enorm nervös. Ich kann die Sprache kaum sprechen. Das heisst, ich verstehe zwar vieles, kann aber nur gebrochen antworten. Zusätzlich sprechen die Leute hier den lokalen Dialekt. Ihr müsst es euch etwa so vorstellen, wenn jemand Deutsch lernt, nach Bayern zieht und bei lokalen Sprüchen und Wörter wie ein verwirrter Hund dreinschaut.

Veganes Ramen in Kyoto

Unterstützung von aussen

Dank meinem Mann und meiner japanisch Lehrerin und Kollegin, die mir Mut zugesprochen haben, bin ich mit rot geflecktem Gesicht und nervös zitternden Händen zum Gespräch gegangen.

Die Chefin und auch die Mitarbeiter sind seit Beginn sehr nett und unterstützend, was mich sehr überrascht. Jedes Mal, wenn ich die Gerichte wieder verwechsle und deshalb vor Scham im Boden versinken würde, kommt gleich Hilfe angerannt.

Wie viel muss du sprechen, um bei einem Teilzeitjob in einem Selbstbedienungsrestaurant zurecht zu kommen?

Wenn du mit Small-Talk zurecht kommst, ist dein Japanisch, meiner Meinung nach, bereits auf einem genügenden Level. Den Rest wird du so oder so während der Arbeit lernen, da jedes Restaurant seine eigenen Abläufe hat.

Jeden Tag Wörter lernen, hilft mehr als Grammatik

Je mehr Wörter du verstehst, desto besser kannst du mit den Mitarbeitern plaudern. Grammatik lernst du lieber langsamer, dafür mit mehr Wiederholungen. Weshalb? Wir lernen leider auch Falsches schnell und wenn du dir etwas falsch gemerkt hast, ist es schwierig es wieder gerade zu biegen.

Knapp gesagt: Grammatik lieber wenig auf einmal, dafür bis es wirklich gut sitzt. Bei Gesprächen gut zuhören, damit du die Struktur und den Fluss der Sprache in dich aufsaugst. (Ja, es nützt auch, wenn du nur wenig Wörter verstehst. Es ist wie ein Lied in einer Fremdsprache zu lernen.)

Mit Wörtern ist es einfacher. Häufig benutzte Wörter wirst du während den Gesprächen automatisch aufgabeln und verinnerlichen.

kleines Caffee

Mehr Aufgaben übernehmen

Sobald die Mitarbeiter und vor allem dein Chef deinen Vortschritt sehen, werden sie dir automatisch mehr anvertrauen und zutrauen. Falls nicht, frag einfach nach. Pro-aktiv machst du immer einen guten Eindruck, auch wenn es momentan nichts Neues zu lernen gibt.

Formalitäten nicht vergessen

Vergiss nicht, dass dir zwar viele Leute helfen werden, die japanische Kultur jedoch sehr auf gegenseiten Respekt aufbaut. Das heisst, dass du viel mehr als Teil des Teams angesehen wirst und durch Respekt, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft deinen Teil zur Gruppendynamik beiträgst.

Es wird dir zwar vieles verziehen, jedoch ist es wichtig, dass du grade bei den Gepflogenheiten gut aufpasst. Klingt langweilig, jedoch willst du (nehme ich mal an) nicht in den „unhöflichen, unanständigen, sich weigern sich anzupassenden“ Ausländer-Topf fallen? Die Art von Ausländer, die du vermutlich in deinem Heimatland ebenfalls nicht gerne gesehen hast?

Deshalb als Tipp: Lerne wie die Dynamik hier zwischen den Menschen funktioniert und falls dich jemand korrigiert oder erklärt, was du zu tun und zu sagen hast, nehme es dankend entgegen und setzte es um. Es hat nichts mit Kritik an deiner Persönlichkeit zu tun, sondern es sind nur Formalitäten.

Als kleines Beispiel:

Wenn ein Kunde das Restaurant betritt, rufen alle irasshaimase, was in etwa heisst: „Kommen Sie nur rein“. Es ist eine formale Begrüssung.

In der Schweiz sind Mitarbeiter eher ruhig, weshalb mir das seltsam vorkam und ich scheu und leise irasshaimase (gesprochen: Iraschaimase) gerufen habe. Daraufhin bat mich meine Chefin, viel lauter zu sein. Es hat mich zwar ein, zwei Tage Überwindung gekostet, aber jetzt ist es bereits normal.

Was für dich vielleicht unhöflich erscheint, mag hier in Japan willkommen sein.

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Tiya

Ich bin Patricia, schreibe Bücher, zeichne viel und interessiere mich intensiv für die kulturellen Unterschiede zwischen der Schweiz und Japan.

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