5 Nachteile einer Fernbeziehung

Fernbeziehung auf grosser Distanz: Japan – Schweiz

Ja, dieses Thema möchte ich auch mal ansprechen, auch wenn es für mich schwierig ist. Für mich ist die Fernbeziehung gleichzeitig das Schönste, aber auch das Anstrengendste, was ich bis her je gemacht habe.

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Menschen nehmen euch nicht ernst

Viele Leute leben sehr nach Klischees und sind sehr voreingenommen. (Ich auch! Jeder steckt irgendwie in irgendeinem Klischee fest) Ein Partner hat gefälligst in der Nähe zu leben, sodass man sich X mal sehen kann, sonst ist es keine Beziehung. Jeder hat das Gefühl, er weiss es besser als du und versucht dich zu belehren. Es fällt ihnen schwer eure Beziehung ernst zu nehmen, weil sie Liebe anders verstehen und anders erlebt haben. Sie fühlen nicht was ihr fühlt, und sie kennen euch und euren Partner nicht so, wie du es tust. Auch wenn es schwierig ist, aber lass dich nicht unterkriegen und kämpfe für das was du liebst und dir gut tut.


Menschen, die dich (un-)bewusst verletzten

Selbst gute Freunde oder Familienmitglieder, die dich gut kennen sagen plötzlich unerwartete Dinge. Sie kommen manchmal mit irgendwelchen Standardsprüchen, die in unserer Gesellschaft üblich sind, wenn es um das Thema Fernbeziehung geht. Etwa wie:

„Du willst doch bloss von etwas davon rennen.“

„Ich kenn dich gar nicht mehr. Du warst doch sonst immer so vernünftig.“

„Was willst du mit einem Ausländer? Der sieht doch eh nur die Vorteile vom Leben in der Schweiz.“

„Das Leben im Ausland ist schlecht. Du weisst, dass du es dort nicht gut haben wirst.“

Stop! Könnt ihr bitte mal anhalten und zuhören?! Weshalb denkt ihr, dass ich plötzlich nicht mehr nachdenke?! Weshalb mischt ihr euch in Dinge ein, die ihr offensichtlich nicht versteht? Ihr wollt keine Fernbeziehung. Ich jedoch schon. Ich akzeptiere eure Entscheidung, also lasst mir meine.

Wenn euch eure besten Freunde oder eure Geschwister mit solchen Sätzen kommen, dann lasst sie einfach reden oder sagt im besten Fall: „Stopp!“. Ihr habt stundenlang mit eurem Partner über sein Leben und seine Vorstellungen gesprochen als auch umgekehrt. Kaum einer eurer Freunde war bereits in diesem Land (in unserem Fall: Japan) und wenn sie es waren, dann eher als Ferienaufenthalt. Kaum einer hatte mit Einheimischen über Monate hinweg tiefgründige Gespräche. Kaum einer hat die Gesellschaft miterlebt oder sogar in ihr gelebt. Du jedoch schon! Du hast über Monate hinweg Erfahrungen gesammelt und hast somit eine ziemlich gute Ahnung, was auf dich zukommt.

Also: Lass dich nicht herunterziehen. Klar machen sich deine Freunde und deine Familie sorgen, aber sie wissen nicht, wie sie sich richtig ausdrücken sollen.Fernbeziehung, Nachteile, Japan, Schweiz


Lernen mit Unsicherheit umzugehen

Dieser Punkt knüpft direkt an die oberen an. Einerseits bin ich sehr glücklich, habe ich den Schritt in die Fernbeziehung gewagt und überstanden, andererseits ist vieles mit erwarteten aber auch unerwarteten Unsicherheiten verbunden. Ich habe mir anfangs gedacht, dass die grösste Hürde sein wird, den Leuten klar zu machen, dass ich nicht mit einem Schweizer zusammen bin, dass wir uns in einer Fremdsprache unterhalten und natürlich kulturelle Unterschiede haben. Tatsächlich spürte ich vom grössten Teil eine Verachtung der Fernbeziehung gegenüber.  Hat das einen psychologischen Grund? Hat es etwas mit unserer kleinen Schweiz zu tun? Oder beides? Schliesslich sind andere Länder viel grösser und sind es sich gewohnt über grössere Distanzen zu pendeln.

Ich möchte hier nicht auf die erwarteten Unsicherheiten eingehen, da ihr euch diese denken könnt und in allen Beziehungen gleich sind: Was wird aus uns? Wie sieht unsere Zukunft aus? Gibt es überhaupt eine gemeinsame Zukunft? Was ist wenn … geschieht? Bin ich stark genug und bereit für diese Beziehung?


Den Drang sich den Normen anzupassen

Wir lernen bereits als Kinder, dass es Dinge gibt, die wir tun dürfen und andere nicht. Wir lernen, dass wir  uns für das Gemeinwohl anpassen müssen, mit anderen mitfühlen und andere nicht immer verstehen, aber seine Gedanken nachvollziehen müssen. Genau so geht es mir mit der Fernbeziehung. Ich habe gelernt: Ein Paar ist zusammen, lebt zusammen, unternimmt sehr oft Sachen gemeinsam. Wenn sich ein Paar nicht mehr versteht, entfernen sie sich, leben getrennt, haben kaum Kontakt miteinander. In der Fernbeziehung habe ich mich manchmal bei dem Gedanken ertappt: „Aber so ist doch keine Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich lieben. So habe ich es nicht gelernt und mir auch nicht vorgestellt.“

Wisst ihr, was ich auch noch gelernt habe? Wo Liebe ist, ist auch ein Weg. Es kommt nicht darauf an, wer mit wem. Solange ihr euch viel bedeutet und ihr euch gut tut, könnt ihr alles schaffen. Liebe versetzt Berge. Genau das sage ich mir immer wieder, wenn wieder Zweifel hochkommen, denn:

Ich liebe! Und ich schöpfe Kraft aus dieser Liebe.

Was die Mehrheit der Gesellschaft macht, hat nichts mit dieser Liebe zu tun.


Das Heimatland verlassen

Für viele ist gerade das der Hauptgrund, weshalb sie keine internationale Fernbeziehung wollen. Selbst wenn der Partner im Nachbarland wohnt oder mehrere Stunden entfernt aber noch im selben Land; Mindestens einer muss seine Heimat zurücklassen, damit das Paar ein gemeinsames Leben aufbauen kann. Das kann Angst machen, aber mit diesem Fakt muss man rational umgehen können.

In unserem Fall sieht es so aus, dass wir zuerst für einige Jahre in Japan leben wollen, bis ich mein Studium beendet habe. Danach möchte er den Master in der Schweiz machen. Erst nach diesen 6-8 Jahren können wir uns überlegen, wo wir uns definitiv niederlassen wollen. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Er möchte gerne mal in Australien leben, weil er bereits zwei Jahre dort verbracht hat. Ich interessiere mich hingegen für London und Düsseldorf, also Deutschland. Das ist ein relativ grosser Interessenkonflikt, der noch so weit in der Zukunft liegt, dass es doof ist sich deswegen den Kopf zu zerbrechen. Trotzdem schweifen wir in unseren Gesprächen manchmal so weit in die Zukunft ab, da es etwas mit unserem gemeinsamen Leben zu tun hat.

 

Ich hoffe ich habe euch jetzt nicht Angst gemacht, falls ihr gerade in der Situation seid euch zu entscheiden ob ihr eine Fernbeziehung wagen sollt. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Eins kann ich nur sagen: Macht was euch gut tut, überlegt rational und entscheidet mit dem Herzen.

 

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Tiya

Ich bin Patricia, schreibe Bücher, zeichne viel und interessiere mich intensiv für die kulturellen Unterschiede zwischen der Schweiz und Japan.

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